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Die Forschungsgesellschaft Flucht und
Migration (FFM)
besteht seit 1994. Sie recherchiert und veröffentlicht zur Situation
von Flüchtlingen
und MigrantInnen an der Peripherie der Europäischen Union (EU) sowie
zur
Abschottungs- und Lagerpolitik an den EU-Außengrenzen. Bezugspunkt für
die FFM
sind die Interessen und Rechte von Flüchtlingen und MigrantInnen und
damit
einhergehend die kritische Auseinandersetzung mit staatlicher
Migrations- und
Flüchtlingspolitik. Dabei werden Gründe für Flucht und Migration
grundsätzlich
respektiert. Die Selbstorganisation von Flüchtlingen und MigrantInnen,
auch
über Staatsgrenzen hinweg, sollen mit dieser Arbeit unterstützt werden.
Die
Forschung erfolgt nach Möglichkeit in Kooperation mit
flüchtlingspolitischen
Verbänden, mit engagierten Gruppen vor Ort und mit akademischen
Einrichtungen.
Die Rechercheergebnisse veröffentlicht die FFM in der Regel in
gemeinsamen
Publikationen wie auch in einer eigenen Heftreihe.
Die FFM ist ein eingetragener
gemeinnütziger Verein, der von
Projektförderung, ehrenamtlichem Engagement und Spenden getragen wird.
Arbeitsschwerpunkte
I. Grenze
Zusammen mit der Berliner
Antirassistischen Initiative (ARI)
und anderen Gruppen im deutsch-polnischen und deutsch-tschechischen
Grenzgebiet
hat die FFM eine Dokumentationsstelle Menschenrechtsverletzungen an
der
Grenze aufgebaut. Diese Grenze hat die Bundesrepublik seit Beginn
der
1990er Jahre aufgerüstet, und eine Grauzone des exekutiven Handelns ist
dort
entstanden. Die Arbeit der Dokumentationsstelle besteht aus der
kritischen Beobachtung der alltäglichen (grenz-)polizeilichen
Arbeitsweisen,
der gesellschaftlichen Formierung in diesen borderlands und der
Dokumentation der Opfer der staatlichen Abschottungspolitik. Bei der
Arbeit
streben wie eine enge Kooperation mit Personen und Gruppen diesseits
und
jenseits der Grenze an.
II. Mittel- und osteuropäische
Länder
Welche Unterstützung und Information
benötigen diejenigen,
die aufgrund der Visapolitik und des restriktiven Asylrechts in den
"Drittstaaten" und "Viertstaaten" festsitzen? Wie weitet
sich die Festung Europa über ihre Außengrenze hinweg aus? In den 1990er
Jahren
ist die FFM diesen Fragen in den Ländern nachgegangen, die heutzutage
als die
mittel- und osteuropäischen Beitritts- und Nachbarschaftsstaaten
bezeichnet
werden. Ein wichtiger Bezugspunkt für die Recherchen war die Lage
südasiatischer Transitflüchtlinge und die der Roma. Anhaltspunkte für
empirische Untersuchungen boten insbesondere die Abschiebezentren. In
den
letzten Jahren ist die dortige Transitsituation stärker von
afghanischen und
tschetschenischen Flüchtlingen und einer Lagerpolitik direkt an den
vorverlagerten Außengrenzen gekennzeichnet.
III. Mittelmeerregion
Mit neuen Recherchen hat sich die FFM
der westlichen
Mittelmeerregion zugewandt. Während nach Osteuropa graduelle Öffnungen
zu
verzeichnen sind, gilt an der EU-Südgrenze die Tragödie der Boat People
seit
über einem Jahrzehnt fast als Normalzustand. Die FFM unterstützt die
internationalen Versuche, den massenhafte Tod im Mittelmeer
systematisch zu dokumentieren, und will des
Weiteren kritisch untersuchen, wie die EU derzeit zu neuen Formen der
Meeres-,
Küsten- und Wüstenüberwachung in Nordafrika übergeht. Der Frage, ob die
EU
exterritoriale Lager errichten wird, ist die FFM zusammen mit anderen
Initiativen in Deutschland und Europa kritisch nachgegangen.
IV.
Krieg und Flüchtlingspolitik
Mit den Kriegen im Kosovo, in
Afghanistan und im Irak droht
die Flüchtlingspolitik zu einem militarisierten Politikfeld zu werden.
Das
Containment von Flüchtlingsbewegungen hat in diesen Kriegen eine
wichtige Rolle
gespielt, und humanitäre Hilfsorganisationen sind in eine strukturelle
Abhängigkeit von Militärs geraten. Zudem setzt die Grenz-Überwachung
immer mehr
militärisches Gerät und Know How ein. Die FFM recherchiert zu Tendenzen
dieser
Kriegspolitik und zur Situation von Kriegsflüchtlingen im Transit und
in
europäischen Großstädten.
V. Internationales Kontaktnetz
Eine andere
Recherche und Dokumentation als die der etablierten
Sozialwissenschaften ist nur durch direkte solidarische Arbeit zu
erreichen.
Für die FFM bilden die Erfahrungen der Flüchtlinge, die sie auf den
Wegen der
transnationalen Migration machen, die wichtigste Materialbasis. Die
Recherchen
erfolgen auch unter dem Aspekt des Aufbaus eines übergreifenden
Kontaktnetzes,
das für eine sinnvolle Forschung sowie für die Rückvermittlung des
Wissens
unabdingbar ist. |